Olivenernte und so weiter

Montag, 24. Februar 2014

A hot cup of coffee and a good book in my hand: Aus dem Berliner Journal von Max Frisch


Die Berliner Tagebücher von Max Frisch waren nach seinem Tod mit einer Sperrfrist von 20 Jahren versehen, jetzt ist eine Auswahl aus den Journalen der Berliner Jahre von 1973-1980 unter dem Titel "Aus dem Berliner Journal" erschienen.
Max Frisch bringt in diesen Journalen alles mögliche zu Papier, von Treffen mit Günther Grass oder Uwe Johnson, über Briefe aus der Schweiz und seine Reaktionen darauf bis hin zum eigenen Gemütszustand... Besonders spannend und interessant sind seine Berichte aus Ostberlin und die Treffen mit den Ostberliner Schriftstellerkollegen, Christa Wolf, Günther Kunert und/oder Wolf Biermann. Deutlich wird seine Faszination für den ostdeutschen Umgang mit der Literatur: 

"In jedem Gespräch hier ist zu spüren, dass sie (die Literatur) ein Funktion hat. (...) Für mich noch immer merkwürdig: die Kenntnis verbotener Bücher, die Bewunderung für das eine und andere, 'was hier nicht möglich ist' ohne Entrüstung über die Zensur."

Des Weiteren entsteht in diesen Tagebuchausschnitten immer wieder das faszinierende Selbstporträt eines extrem selbstkritischen, sich manchmal sogar selbstverachtenden Schriftstellers, der wie im Zwang über alles schreiben muss.

"Das Bewusstsein, allem nicht mehr gewachsen zu sein, fast täglich das Erwachen in diesem Bewusstsein; im Lauf des Tages das zusätzliche Bewusstsein, dass ich den Aufgaben, die sich aus dem Umgang mit Menschen stellen, überhaupt nie gewachsen gewesen bin; ich habe es nur meistens nicht bemerkt.!


Nachtrag: 
Bei der "Lesenden Minderheit" lautet das Buchthema für das 1. Quartal 2014: "Lies ein Buch, in dessen Titel ein Ort oder Land vorkommt!", deshalb verlinke ich mal dorthin.

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